Impuls der Woche

 

Die Impulse lesen sich chronologisch von unten nach oben, so dass der neueste Impuls für die regelmäßigen Leser immer an oberster Stelle steht.

Einmal im Jahr (Ende Juli) speichere ich die Impulse in einer Word-Datei ab, die ihr im Archiv finden könnt.  

                 

Unglück oder Glück?



Manchmal kommt auch etwas richtig Schlimmes dazwischen. Wenn zum Beispiel dein Pferd nachts - aus welchen Gründen auch immer - aus seiner Weide ausbüxt und wenn es sich dann später in freier Wildbahn (oder mitten im Wohngebiet) in Panik und Bedrängnis gebracht (von wem auch immer) schwer verletzt.  

Für einmal, dass wir an einem Wochenende nichts Großartiges vorhatten, und sogar die kleinen Pläne, die wir hatten, verworfen haben, weil wir mal ein Wochenende relax entspannen und Liegengebliebenes aufarbeiten wollten, für einmal, dass wir ziemlich viel freie Zeit zum spontanen Handeln zur Verfügung hatten, wurde uns diese Zeit durch äußere Umstände total verplant - so als hätten wir geahnt, dass wir zwei Tage mit Tierarzt, Notversorgung, Polizei und Stall in Ordnung bringen rumkriegen würden.

Wozu und warum, wo liegt der tiefere Sinn in dem Ereignis?   

Ich mag folgende Weisheitsgeschichte:

Ein alter Mann lebte zusammen mit seinem einzigen Sohn auf einer kleinen Farm. Sie besaßen nur ein Pferd, mit dem sie die Felder bestellen konnten und kamen gerade so über die Runden.

Eines Tages lief das Pferd davon. Die Leute im Dorf kamen zu dem alten Mann und riefen 'Oh, was für ein schreckliches Unglück!' Der alte Mann erwiderte aber mit ruhiger Stimme: 'Wer weiß…, wer weiß schon, wozu es gut ist?'

Eine Woche später kam das Pferd zurück und führte eine ganze Herde wunderschöner Wildpferde mit auf die Koppel. Wieder kamen die Leute aus dem Dorf: 'Was für ein unglaubliches Glück!' Doch der alte Mann sagte wieder: 'Wer weiß…, wer weiß schon, wozu es gut ist?'

In der nächsten Woche machte sich der Sohn daran, eines der wilden Pferde einzureiten. Er wurde aber abgeworfen und brach sich ein Bein. Nun musste der alte Mann die Feldarbeit allein bewältigen. Und die Leute aus dem Dorf sagten zu ihm: 'Was für ein schlimmes Unglück!' Die Antwort des alten Mannes war wieder: 'Wer weiß…, wer weiß schon, wozu es gut ist?'

In den nächsten Tagen brach ein Krieg mit dem Nachbarland aus. Die Soldaten der Armee kamen in das Dorf, um alle kriegsfähigen Männer einzuziehen. Alle jungen Männer des Dorfes mussten an die Front und viele von ihnen starben. Der Sohn des alten Mannes aber konnte mit seinem gebrochenen Bein zu Hause bleiben.

'Wer weiß…, wer weiß, wozu es gut ist?'

Verfasser unbekannt, gefunden in:  'Way of the Peaceful Warrior'  von Dan Millman, (Deutsch: 'Der Pfad des friedvollen Kriegers'  

 

       

Wenn etwas dazwischen kommt ...



Wenn ich mich auf etwas gefreut habe und es durchkreuzt mir etwas die Pläne und die Vorfreude, dann reagiere ich im Allgemeinen sehr, sehr unflexibel.

Es gibt Menschen, die können sich sehr leicht spontan auf neue Begebenheiten umstellen, einstellen - sich ihnen stellen und das beste draus machen. 

Ich nicht!

Zuerst grummele ich und manchmal grummele ich sogar ziemlich lange ... Zehn Minuten und wenn man mich nicht grummeln lässt, dann noch länger.

Ich bin manchmal ziemlich unflexibel. Muss ich das ändern? Muss ich anders sein? Ich weiß nicht.

Ich habe jedenfalls sehr viel Verständnis für Leute, die auch unflexibel reagieren. Und deshalb ist es für mich auch normal, abgemachte Sachen nicht aus einer Laune heraus abzusagen. Da muss es dann schon einen guten Grund geben. Und so gesehen bin ich ganz einfach auch sehr zuverlässig. Und diese Seite mag dann wieder jeder an mir.  

 

      

Pläne schmieden

Es kommt bei all den Möglichkeiten öfter vor, dass ich mich nicht lange im Voraus für irgendetwas festlegen möchte und Vieles nach Stimmung, Laune oder Wetter entscheide.

Das Motto heißt dann: Flexibel bleiben, spontan entscheiden, Freiraum behalten.

Dabei liebe ich es auch, Pläne zu schmieden und die Vorfreude auszukosten. 

Manchmal, wenn ich etwas melancholisch bin, dann fragt mein Schatz mich, ob er etwas für mich tun kann. Und ich antworte dann gerne: 'Gib mir etwas, worauf ich mich freuen kann.' 

Das sollte dann im idealen Fall ein Ausflug ans Meer sein oder zumindest ein Besuch in den Thermen ... ;) Scherz beiseite. Das sind so meine beiden I-Tüpfelchen an Vorfreude, aber mir reicht 'schon' ein entspannter Moment im Restaurant oder ein gemütlicher Sofa-Abend zu zweit.

Manchmal ist unser beider Leben so angereichert an Entfaltungsmöglichkeiten,  sei es gesellschaftlicher, beruflicher oder hobbytechnischer Natur, dass ein Abend auf dem Sofa uns fast wie ein außerirdisches Vergnügen vorkommt.

Aber letztendlich ist jeder Tag ein kleines Abenteuer - egal ob lange geplant oder spontan flexibel umgesetzt.

  

 

      

Verpasste Gelegenheiten

Manchmal habe ich das Gefühl, irgendetwas zu verpassen: ein Nachmittag mit meinen Freundinnen, wenn ich mit meinem Partner zusammen bin oder andersherum einen schönen Nachmittag mit meinem Partner, wenn ich mit meinen Freundinnen zusammen bin. Ich verpasse ein Wochenende mit meinem Sohn, wenn er bei seinem Vater ist und ich verpasse einen Ausritt, wenn ich wandern gehe. Ich verpasse einen Spaziergang mit meinen Hunden, wenn ich auf dem Sofa hängen bleibe.

Ich verpasse das eine, weil ich mich für das andere entscheide.

Entscheide ich wirklich? Oder entscheidet etwas tief in mir, ohne dass ich darauf einen wesentlichen Einfluss habe?  

Ist es wichtig, wofür ich mich entscheide?

Wenn ich mich für eine Wanderung mit meinen Freundinnen entscheide, dann ist das eine bombensichere Sache: dann weiß ich unter Garantie, dass ich mich wohlfühle, dass ich viel lachen werde, dass ich gut gelaunt und aufgebaut nach Hause komme. Ich habe es noch nicht einmal anders erlebt. 

Andere Entscheidungen tragen mich in unbekanntes Gewässer: ich weiß nicht, wie die Leute sein werden,  wenn wir auf ein Fest eingeladen sind. Ich weiß nicht, ob die Gespräche mir gefallen werden, weil man einen gemeinsamen Nenner findet. Ich weiß nicht, ob jemand sich für meine Sichtweise interessiert.

Manchmal muss ich mich überwinden, aus meinem bombensicheren 'Wohlfühlleben' auszubrechen, um ein Risiko einzugehen, etwas Neues zu entdecken, mich auf etwas Neuem, Unbekannten einzulassen. 

Gerade in einer neuen Beziehung ist es so, dass man die Welt des anderen kennenlernen möchte und doch auf das verzichtet, was man sonst so in seiner Freizeit gemacht hat. 

Manchmal fühle ich mich total hin- und hergerissen und mein Herz ist quasi auf zwei Stellen zugleich und nirgendwo ganz. Und so verpasse ich manchmal zwei Chancen gleichzeitig. 

 

      

Benno

Manchmal berührt uns auch der Schmerz, die Trauer, der Tod.

Mein Benno, ein Berner-Sennen-Mischling, war 11½ Hundejahre alt, was so in etwas 80 Menschenjahren entspricht, als er vergangene Woche gestorben ist. Seit letztem Winter gab es hin und wieder kleinere gesundheitliche Probleme und ich wusste, dass es bald heißen würde, Abschied zu nehmen. Jeder Spaziergang wurde zu einem neuen Geschenk. Hin und wieder sagte ich ihm danke für die vielen schönen Momente und versprach ihm auch, dass wir uns irgendwann wiedersehen.

Doch seit dem Sommer gab es keinen Grund zur Beunruhigung. Er schien fit wie ein Turnschuh und wir hatten jeden Tag unsere Spaziergänge zu Shadow, meinem Pferd. Es wurde geschnuffelt, markiert und freundlich angebellt, was uns entgegen kam.

Und doch lag er am Freitagabend mit zurückgerollten Augen regungslos in seinem Zwinger, den er sich seit Jahren mit Bonnie, einer Border-Collie-Mischling-Hündin, teilt. Nichts zu machen, sagte die Tierärztin. 

Letztendlich hatte er ein sehr schönes, gesundes, langes Hundeleben, soweit ich das beurteilen kann.

Den Abschiedsschmerz zu teilen, ist für mich gar nicht so einfach. In richtigen Trauerphasen bin ich ganz gerne alleine, am liebsten am Meer.  

Ich habe auch dieses Mal am Meer brennende Abschiedstränen geweint. Unvorstellbar nach Hause zu kommen und keinen Benno vorzufinden, der mich schwanzwedelnd begrüßt.  

Doch zum ersten Mal in meinem Leben weinte ich Abschiedstränen in den tröstenden Armen eines Mannes, der mich liebt. Keine Worte, nur langes drücken, dann doch Worte und die richtigen Worte, nämlich dass es keine Worte gibt. Berührende Erinnerungen erzählen, zuhören, Bilder auftauchen und Tränen kullern lassen. Trauer zulassen, einander an den Händen halten, berühren. Unter Tränen zaghaft lächeln. Alles annehmen.

So ist das Leben.

 

     

Berührungen

 

Around You

 

Berührungen - sie gehören in ihren vielfältigen Ausdrucksformen meiner Ansicht nach zu einer liebevollen Beziehung dazu.

Ich kann berührt sein von einem seiner sanften Blicke in meine Augen.

Seine Stimme berührt mich sehr oft bis tief unter die Haut.

Seine Worte finden den Weg zu meinem Herzen und in meine Seele.

Und mit den Händen berühren wir uns gegenseitig immer wieder in ungezählten kleinen Gesten.

Im Auto meinen Kopf an seine Schulter schmiegend oder mir zwischendurch die Schultern kneten lassend, weiß ich einfach, wie schön und verbindend Berührungen sind - und dankbar fühle ich täglich, wie verwöhnt ich bin.

Sinnliche Sexualität verbindet uns regelmäßig aufs Neue - und ich weigere mich, daran zu glauben, dass Sexualität im Laufe der Jahre einschlafen muss, um in eine allgemeine Statistik zu passen.

Aneinander gekuschelt einzuschlafen aber ist mein allerliebstes Ritual von Nähe und Harmonie zwischen uns beiden. Nur wenn wir den Tag in Frieden und Einvernehmen verabschieden, können wir so nah zusammen loslassen und in den erholsamen Zustand des Schlafs gleiten.   

Berührungen - ich liebe es, sie zu geben und sie zuzulassen. 

 

   

      

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Ich bin ein Genießertyp. Ich weiß gute Zeiten zu genießen. Auch in meinen Beziehungen bin ich seit jeher ein Genießertyp:

Ich genieße meinen Mann in vollen Zügen: seine Stimme, seinen Körper, seine Hände, seine Worte, seine Aufmerksamkeit, gemeinsam verbrachte Zeit, sein Lachen, seine Sensibilität, seine Intelligenz, seine Kochkünste, seine Kreativität, sein Dasein.    

Gute Zeiten

Aber es gibt auch die anderen Momente, Momente, in denen ich Rücksicht nehmen oder verzichten muss, Momente, wo die Zeit und die Ausgeglichenheit für liebevoll verbrachte Zeit und Zärtlichkeit fehlt, Momente, in denen ich schlichtweg frustriert bin, weil 'nichts' so läuft, wie ich mir das vorgestellt habe.

Schlechte Zeiten

Mein Schatz sagte zu Beginn unserer Beziehung einmal zu mir: 'Ich bin kein Mann nur für die guten Momente'. Und ich erwiderte daraufhin prompt: 'Und ich bin keine Frau nur für schlechte Zeiten, ich will auch eine Mindestdosis an schönen Momenten mit dir haben.'

Und ich glaube, darum geht es ganz oft in unseren Beziehungen: Wir brauchen eine Mindestdosis an schönen, erfüllenden, freudigen Momenten zusammen, damit unsere Beziehungen sich liebevoll entfalten können.

Manche Therapeuten reden immer wieder davon, dass man glücklich mit sich alleine sein können sollte. Aber ich finde, in einer Beziehung geht es nicht nur darum, glücklich mit sich alleine sein zu können, sondern auch frei und glücklich zusammen.  

Mein persönliches Rezept: Mindestens zwei Stunden tägliche Zweisamkeit und einen ganzen oder mindestens einen halben Wochentag gemeinsames Erleben ist so meine Mindestdosis. Rechnet man von den zwei Stunden täglich eine gemeinsame Mahlzeit von zirka einer Stunde ab, dann bleibt schon nicht mehr viel.

Aber jeder hat so seinen eigenen Sättigungsgrad. Und letztendlich müssen zwei Menschen ähnlich ticken und ähnlich viel Zeit miteinander verbringen wollen. Jeder muss seine eigene Mindestdosis finden. Nebeneinander her leben oder 'nur' organisieren, wer wann was machen kann, damit man mit allen Verpflichtungen und Hobbys klarkommt, das kommt für mich nicht in Frage, und für meinen Schatz natürlich auch nicht.  

Gute und schwierige Zeiten in Balance zu halten oder idealerweise die guten Zeiten überwiegen zu lassen, ist sicherlich eine Herausforderung und auch immer wieder eine Entscheidung, auf was genau ich denn den Fokus in meinem Leben legen möchte.

Schaue ich voller Dankbarkeit auf das Gute, was da ist, dann vermehrt es sich. Schaue ich dauernd voller Frust auf den Mangel, dann kann ich das Glück und Geschenk einer Partnerschaft gar nicht mehr fühlen. 

Und manchmal hilft auch der einfache Ansatz: Ich will unbedingt mal wieder etwas Schönes mit dir erleben, etwas was uns beiden richtig gut tut. Hast du eine Idee für das kommende Wochenende, damit wir uns darauf freuen können?

Wenn ich von Beziehungen mit Problemen höre, dann frage ich oft als erstes: Wann habt ihr das letzte Mal etwas richtig Schönes gemeinsam gemacht? Und vielen fällt dann nur der letzte Urlaub ein. Das kann doch nicht unser Beziehungsmodell sein.

Wenn ich mir anschaue, was ich mit Christophe alles Schöne erlebe, mache und genieße... und Vieles davon gehört zu den einfachsten und schönsten Dingen unseres menschlichen Daseins: Reden und zuhören, spielen, durch die Natur und an Schaufenstern vorbei spazieren gehen, uns erzählen, was uns gefällt, uns küssen, kochen (bzw. er kocht und ich genieße das Essen), fotografieren, lachen, uns in die Augen schauen, einen Film genießen, uns drücken, ...

Jedenfalls stehen wir schwierigere Zeiten mit so viel guten Zeiten 'im Rücken' viel leichter durch und auch in schlechten Zeiten (z.B. an Krankheitstagen) halte ich unablässig nach guten Momenten Ausschau und mache sie mir, so gut ich eben kann.   

  

    

GZSZ

Fast jeder weiß, wofür diese vier Buchstaben stehen:

Gute Zeiten, schlechte Zeiten.

Diese Serie ist seit vielen Jahren so eine Art Ersatzfamilie für mich, wenn ich abends alleine die Stille im Haus nicht ertrage. Und das Schöne ist: Wenn mein Schatz auf Reisen ist, dann ist diese Ersatzfamilie sofort auf Abruf verfügbar. Und nach wenigen Minuten weiß man so ungefähr, was in den Wochen zuvor passiert ist.

TV-Serien in ihrer Regelmäßigkeit können auch tröstend sein und einen gewissen Halt geben. 

Sie können auch psychologische Hilfe sein, denn man muss kein Genie sein, um herauszufinden, dass fast alle Probleme der Darsteller auf Kommunikationsstörungen zurückzuführen sind. Und diese Kommunikationsschwierigkeiten basieren wiederum meist auf Ängste und Selbstwertmangel.

Mein inzwischen 15jähriger Sohn ist mit dieser Serie groß geworden und schaut sie auch heute noch gerne, auch wenn er bei seinem Papa ist. 

Von klein an hat er dazu meinen Senf mit anhören müssen: Schau gut, Maus, hier lügen sie, verheimlichen sie, hier läuft was schief, hier fängt das Chaos an und hier haben die schlechten Zeiten ihre Wurzeln. Hätten sie so und so reagiert, wäre es nicht zu den Problemen gekommen, die da sind.

Oder: Ich hätte das so und so geregelt, was meinst du, was dabei rausgekommen wäre?

Oder ich habe ihm sogar die Geschichten auf sein Leben und sein Umfeld umgemünzt, damit er sich teilweise besser in verschiedene Verstrickungen hineinversetzen konnte, zum Beispiel so: wenn dein Freund jetzt so und so und so machen würde (wie die im Fernsehen), was würdest du dann fühlen? Wolltest du solch einen Freund noch als Freund haben? usw ...

Insgesamt empfinde ich diese Serie als nicht allzu schlecht. Es gibt noch Werte, Moralvorstellungen und manchmal auch richtig gute Kommunikationsgespräche, die in gute Zeiten führen.

 

 

               

Teddybären

         

 

Können Teddybären trösten? Liebe und Geborgenheit schenken? Tränen in Lächeln verwandeln? Und einfach einen Abschied auf Zeit, einen Verlust oder eine Trennung versüßen?

Ja, sie können und deshalb musste dieser große knuffige Bär (links außen) auch vom Brüsseler Flughafen mit nach St. Vith in sein neues Zuhause.   

In der Wartezeit am Bahnhof hatten wir beide dann unsere ersten längeren, tiefergehenden Gespräche. (Manche nennen es auch Kommunikation mit dem Krafttier)

Es scheint allerdings nicht in Mode zu sein, am Bahnhof mit seinem Teddy zu schmusen: die Leute schauen einen mit irritiertem Blick an, aber die Kinder finden es faszinierend! (soweit ich denn Blicke zu deuten vermag)

Ich wünsche allen Menschen für traurige oder schwierige Zeiten einen Teddy mit einem solch liebevollen Blick, den man ganz fest drücken kann und niemals loslassen muss. 

      

 

       

Zuhause

Seit ungefähr einem Jahr verbringe ich zunehmend Zeit in Weismes bei meinem Schatz und seinen vier Söhnen. (da gibt es dann auch ganz viel Austobe-Potenzial an meditativem Wäschefalten) 

Heute ist er geschäftlich für 9 Tage nach USA geflogen und ich mache sozusagen eine Art 'Entziehungskur' in meinem eigenen Zuhause in St. Vith. Es fühlt sich fast befremdlich an, mein Zuhause.

Und doch heißen mich die warmen Farben, in denen alle Zimmer gehalten sind, willkommen. Im Ofen prasselt ein Feuer, zum ersten Mal seit dem Frühjahr. Mein Fernsehgerät und meine Stereoanlage sind einsatzbereit. Meine wunderschöne Eckbadewanne lädt mich ein, doch meine Heizung war ausgeschaltet, das Badezimmer ist eiskalt und somit nicht einladend. Mein Zuhause.

Und doch  habe ich mich heute gefragt, was für mich eigentlich Zuhause bedeutet, was es dafür braucht, um mich zuhause zu fühlen.

'Zuhause ist dort, wo ich mich wohlfühle' steht auf einem Schieferschlüsselbrett, das wir im Kachina verkaufen.

'Home is where your heart is', singt mindestens ein Countrysong, den ich kenne.

Und für mich?

Mein Seelenzuhause fühl ich, wenn ich am Meer bin.

Mein Haus als Zuhause ist mittlerweile gleichermaßen das Haus in Weismes wie das in St. Vith. Es hat lange gebraucht bis hierhin, aber nach einem Jahr ist es so.

Zuhause ist dort, wo ich mich willkommen, geborgen, geschützt und wohlfühle. 

Mein Zuhause kann ein Rückzugsort sein, aber auch ein geselliger Treffpunkt.   

Mein Zuhause bin ich bereit zu pflegen, zu unterhalten.

Ich kann mich überall zuhause fühlen. 

Mein glücklichstes Zuhause ist in den Armen von meinem Schatz. Wenn ich in seinen Armen einschlafe, dann fühle ich mich zuhause. Wenn ich neben ihm aufwache, dann fühle ich mich zuhause. Wenn ich in seine Augen schaue, dann fühle ich mich zuhause. Mit ihm fühle ich mich überall auf der Welt zuhause. Und egal, wo er ist, mein Herz fühlt das ZuhauseSein bei ihm auch auf Distanz.

Zuhause

 

 

      

Gartenarbeit und Wäsche falten ...

... machen mir im Moment mehr Freude, als lesen und schreiben.

Mein Kopf ist manchmal (bzw. oft) einfach zu voll: Ideen, Pläne, Sorgen, Träume, Arbeit, Verpflichtungen und Geschichten von anderen tummeln sich oft wild durcheinander und mein Kopf scheint mir wie ein gefülltes Gefäß, randvoll und einfach nicht weiter aufnahmefähig. 

Ist das schlimm?

Ja und nein.

Als schlimm empfinde ich es, wenn ich keinen Ausgleich finde, der mich entspannt.

Nicht schlimm ist es, wenn mir abends Zeit bleibt zum Wäsche falten und Kartoffeln schälen. Ich koche ja fast nie, aber manchmal empfinde ich alles, was ich ganz mechanisch tun kann, als meditativ und entspannend. Auch längere Autofahrten, bei denen ich selbst am Steuer sitze, gehören zu den Momenten, wo mir die genialsten Einfälle zufallen. 

Dummerweise habe ich noch immer nicht gelernt, anzuhalten und diese oftmals genialen Gedanken aufzuschreiben, weil ich in dem Moment denke, dass ich sie nie mehr vergessen werde. Ähnlich wie ein Traum huschen sie in mein Tagesbewusstsein und kurz darauf zu verblassen oder gar ganz zu verschwinden. Immerhin bleibt ein Gefühl von Freude, dass sie sich gezeigt haben.

Und so tagträume ich beim Wäsche falten vor mich hin und genieße es, bei dieser Arbeit so gar keinen Stress zu empfinden, meinen Gedanken beim hochkommen zuzuschauen und sie nicht auf ein Ziel, auf eine Aufgabe hin steuern zu müssen. Entspannung. Sein.   

 

 

    

Süße Früchte

Mein Schatz wollte unbedingt in meinem Garten arbeiten. Seit Wochen bettelte er quasi um diesen ehrenvollen Job, aber ich hatte stets Einwände. (grundsätzlich basierend auf der Tatsache, dass ich meinerseits keine Lust dazu hatte und schon gar keine Lust - oder kein Vertrauen - verspürte, ihn alleine da abholzen zu lassen)

'Das geht doch  ganz schnell', meinte er und ich stöhnte daraufhin nur. 'Ganz schnell' ist ein dehnbarer Begriff und irgendwie hatte ich eine andere Definition davon als er.

Irgendwann hat er es zum Kniffeleinsatz gemacht und doch tatsächlich gewonnen. Gartenarbeit stand dann auf dem Plan. Das, was ganz schnell gehen sollte, wurde in drei langen Nachmittagen und sechs Anhänger Geäst für den Containerpark zur Herausforderung.

Ich mag keine Gartenarbeit, muss aber zugeben, dass die Hilfe (m)eines Mannes, Muskelkraft gepaart mit dem perfekten Arbeitsmaterial, die Sache schon interessanter macht. Zu zweit arbeitet es sich leichter. Und später war er erstaunt, wie viel Ausdauer ich an den Tag legte. Am ersten Tag war das noch mit dem Gefühl, alles an einem Tag schaffen zu wollen. Am zweiten Tag war es der Wille, 'irgendwann' fertig zu werden und am dritten Tag trieb mich der Gedanke 'auf keinen Fall noch einen vierten freien Nachmittag opfern' zur Ausdauer.

Jetzt sieht alles gelichtet aus und ich habe meinen kleinen Dschungel in einen English Upper Class Garden mit Pferd verwandelt. Na ja, der englische Rasen fehlt, aber für meine Verhältnisse sieht das Ganze schon richtig ordentlich aus. 

Außerdem habe ich entdeckt, dass ich in diesem Jahr nach einigen Jahren Stillstand endlich wieder Pflaumen an meinen Obstbäumen hängen habe, süße leckere Zwetschgen und Mirabellen. Hmmm... die süßen Früchte lohnen die 'kleinen' Mühen der Gartenarbeit in jedem Fall. Und zur Computerarbeit ist es ein perfekter Ausgleich, richtiggehend meditativ. Ich bin glücklich, einen Garten zu haben.  

      

 

Kniffel

Seit mehreren Monaten ist das Kniffelspiel (auch als Yahtzee oder Yacht bekannt) unser partnerschaftliches, abendliches Ritual vor dem Zubettgehen geworden. 

Wir haben unserem Ritual nun zusätzliche Würze verliehen, indem wir uns immer einen Gewinn ausdenken, zu dem der Verlierer sich im Vorhinein engagiert. 

Da fehlt es uns nicht an Fantasie ... und irgendwie macht fast immer jeder Gewinn beiden Spaß.

So wurde schon gekniffelt, wer morgens den Kaffee macht oder wer abends kocht, wer eine Fußmassage oder wer eine Schulter-Rückenmassage bekommt (meistens ich!!!), ob eine Fahrradtour gemacht wird oder eine Trainingseinheit im Fliegenfischen, wer den nächsten Film auf DVD oder die Hintergrundmusik beim Haushalt machen aussuchen darf, wer die Fliegen im Schlafzimmer vor dem Schlafengehen fängt oder wer die Bettwäsche wechselt, ob wir ans Meer fahren oder in die Thermen, und, und, und ...
 
Es macht Spaß, gegenseitige Freude und wir lachen so viel mehr, seitdem wir unsere Engagements mit in den Tag nehmen. Und immer wieder macht es sich so, dass Bekannte sich über das ein oder andere, was wir tun, wundern und natürlich erzählen wir, dass wir nicht immer alles freiwillig machen, sondern weil wir es verloren haben. Und wir erklären die Spielregeln und hören dann jedes Mal die Bemerkung vom zuhörenden Pärchen (meistens von der Frau), dass man das ja auch mal machen könnte. (die Frauen hoffen dann sofort auf die Rückenmassage, wobei ich bezweifle, dass die wirklich so gut sein könnte, wie die, die ich bekomme, ... hmmmmmmmmm ....)

Ganz neu ist das 'Blind Risk Engage': jeder schreibt auf einen Zettel, was er sich als Gewinn wünscht, ohne dass der andere vorher weiß, was er riskiert. Laut Absprache, darf der Einsatz nicht mehr als x Euro kosten und nicht mehr als einen freien Tag in Anspruch nehmen. Und los geht's ... die Würfel rollen ...  

 

Lebensfreude ist ansteckend

In diesem Sommer hatte ich mehrmals die Gelegenheit, schöne Stunden und Tage an der Küste zu verbringen. An einem warmen Tag fuhr ich mit einer Freundin nach Ostende, wo wir einen relaxen Tag verbrachten. Die Stimmung war faul und nett, sprudelte aber nicht von Optimismus und Lebensfreude. 

Irgendwann packten wir unsere Badesachen zusammen und machten uns auf die Suche nach einer netten Terrasse. Schnell wurde unsere Aufmerksamkeit auf ein sehr lebendiges Fleckchen mitten im Strandgebiet gezogen: we love the summer, oh ja, viele Menschen mit fröhlichen Gesichtern, laute gute Laune-Musik, jeder Stuhl und jedes Sofa besetzt, ein rotes Beetle-Cabrio zu gewinnen und dann plötzlich der Song 'Blurred Lines' ('Good girl') in sattem Sound mit grosser Reichweite. Das Personal liess alles stehen und liegen, kam aus allen Ecken ähnlich wie bei einem Flashmob und tanzte, klatschte, sang in einer ausgelassenen Formation zwischen den Tischen und Bänken, versprühte so viel Lebensfreude, dass binnen weniger Sekunden alle mitmachten. Fotos wurden geschossen, Filme gedreht, keiner ging weiter, auch auf der Promenade blieben fast alle Passanten stehen und schauten dem bunten Treiben zu. Viele Anwohner lockte es auf die Balkone. Ein Song brachte alle aus dem Takt der eigentlichen Pläne oder in den Takt der Musik, der Leichtigkeit und der Lebensfreude. 

Absolut ansteckend. Da fühlten wir uns richtig wohl. Und als wir schliesslich zum Zug gehen mussten, hatten wir den Ohrwurm noch immer im Kopf und auch immer noch ein Lächeln im Gesicht.

 

 

Liebe ist...

... mit einer sanften Rückenmassage verwöhnt werden.

... zusammen lachen.

... zusammen spielen, gewinnen und verlieren.

... Wetteinsätze verwirklichen.

... durch den Wald zu reiten - mit Partnerbegleitung (auf dem Drahtesel mangels zweiten Pferdes)  

... zusammen essen.

... durch den Fluss waten und danach zu riechen wie ein Fisch.

... sich küssen.

... im See plantschen und sich nass spritzen.

... sich auf das Hobby des anderen einlassen.

... dem anderen Raum für seine Interessen und Freunde geben.

... ein Tag am Meer. (und einen solchen Tag regelmäßig)

... als Familie in einem Boot sitzen.

... den eigenen Sohn als Mountainbike-Held erleben.

... frische Brötchen kaufen.

... bekocht werden.

... streiten und versöhnen.

... mit einem kühlen Getränk einen lauschigen Abend auf einer Terrasse verbringen.

... in der Hängematte lesen und zwischendurch gestreichelt, geküsst und geschaukelt werden.

... stundenlanges Erzählen.

... spazieren gehen.

... Musik hören.

... den Moment mit einem Schnappschuss festhalten wollen.

... ein Reh mit Kitz im Sonnenuntergang grasen sehen.

... unendlich vielseitig.

... im Sommer besonders schön.

Liebe ist, wenn der Partner sagt: Schreib wieder. Das tut dir gut. Und schreib wieder, wie du es immer getan hast.

Und so schreibe ich wieder in der Ich-Form. Einfach, weil es so ganz anders fließt.

Und diese Liebeserklärung ist ein Danke an meinen Schatz für so viele liebevolle Augenblicke in diesem Sommer. Und für das Geschenk seiner Liebe in den vergangenen 15 Monaten.  

 

 

Kreative Pause von 6 Wochen und eine neue Entscheidung ...